Eignen sich Liquid Alternatives als Rentenalternative?

Viele Investoren beschäftigen sich derzeit mit Liquid Alternatives. Warum? Weil unkorrelierte Erträge locken und Negativzinsen vermieden werden können. Mit simplen Anlagekonzepten können diese Eigenschaften aber nicht erreicht werden und bei näherer Betrachtung eröffnet sich dem interessierten Investor eine enorme Bandbreite an Anlagemöglichkeiten, die ihre eigenen besonderen Risiken mit sich bringen.

Was gilt es also zu beachten, wenn man mit Liquid Alternatives ein Profil darstellen möchte, das von Risiko und Ertrag her einem klassischen Anleihenportfolio guter Bonität nahekommt? Die folgende Abbildung verdeutlicht, dass Einzelstrategien (grau) temporär höhere Schwankungen aufweisen können und damit keine Lösung darstellen. Eine vereinfachte Kombination von nur 8 geeigneten Strategien, die wir in grün darstellen, ist aber bereits in der Lage, sowohl von Risiko als auch Ertrag einem Anleihenportfolio (rot) nahezukommen.

Nur ein Portfolioansatz wird also zum Erfolg führen, wenn man also Investor eine ausreichende Stabilität auf der Ertrags- und Risikoseite erreichen möchte. Und genau an diesem Punkt liegt die Kunst bei der Auswahl der geeigneten Liquid-Alternatives: Es braucht eine breite Kenntnis der vorhandenen Renditequellen, der Strategien, der innewohnenden Risiken, ein gutes Netzwerk und viel Erfahrung.

Warum fahren, wenn man fliegen kann?

Jeder Unternehmer weiß, dass Umsatz- und Gewinnprognosen 5 Jahre in die Zukunft nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen. Dennoch können SPACs (Zweckgesellschaften, die eine Abkürzung für einen Börsengang darstellen) Langfristprognosen von 5-8 Jahren für die von ihnen an die Börse gebrachten Unternehmen vornehmen. Im Prospekt eines regulären Börsengangs wäre das gar nicht erlaubt.

Das ermöglicht einer Klasse von Unternehmen den Weg an die Märkte, die wir seit der Technologieblase Ender der 1990er so nicht mehr gesehen haben. Unternehmen in der Frühphase ihrer Entwicklung, ohne fertiges Produkt und Umsätze.

Damit wären wir bei Joby Aviation, die mit dem SPAC „Reinvent Technology Partners“ verschmolzen werden sollen. Die Möglichkeit, mit dem Flugtaxi auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag 1 Stunde zu sparen, ist natürlich sexy. Und wenn man dann als Aktionär noch daran erinnert wird, dass der Markt allein in den USA Umsätze in der Region von 500 Mrd. $ pro Jahr ermöglicht, wer ist dann nicht sofort „elektrisiert“ – denn man darf nicht vergessen, dass das Fluggerät zusätzlich noch elektrisch angetrieben wird.

Das treibt die Fantasie der Anleger, denn sie sehen ein potenziell hoch profitables Geschäftsmodell und vergessen, was auf dem Weg zur Umsetzung noch alles schief gehen kann:

  • Es gibt noch kein fertiges Fluggerät, das alle Genehmigungen erhalten hätte.
  • Wo dürfen Flugtaxis überhaupt fliegen und landen?
  • Wie viele Kunden können sich den Transport leisten, auch wenn die Kosten nur bei einem Viertel eines Helikopters liegen sollen?
  • Sicherheit: Wer möchte überhaupt mit einem Kleinstflugzeug von A nach B transportiert werden?
  • Ist es realistisch, dass ein Unternehmen, das Transportdienstleistungen anbietet, Margen realisieren kann, die man nur von erfolgreichen, rein digitalen Geschäftsmodellen kennt?

Das Unternehmen prognostiziert, dass es erst in 2024 erste Umsätze geben wird, die natürlich stark ansteigen sollen. Für die Ehre, schon jetzt dabei zu sein, zahlt der Aktionär einen Marktwert von 6,9 Mrd. $ und damit das 3,4-fache des für 2026 angepeilten Umsatzes.

Für uns sind solche Unternehmen zu solchen Preisen uninvestierbar. Selbst wenn die Story futuristisch und sehr attraktiv klingt und die unablässigen Käufe gieriger Kleinanleger die Preise treiben, so wird der Kater nach der Party umso unangenehmer sein. Lassen Sie sich nicht mitreißen, denn es gibt auch wachsende Unternehmen in zukunftsträchtigen Märkten, die zu vernünftigen Preisen erworben werden können – man muss nur danach suchen.